Wissen / Reportage

Welt der Tiere

Das kannst du von Tieren lernen

Bestimmt haben die meisten von euch schon mit Hunden und Katzen, Kaninchen und Hamstern zu tun gehabt. Das tut gut und ist schön, oder? Doch viele Kinder zögern, Tieren ganz nah zu kommen. Sie hören oft von Erwachsenen: „Sei bloß vorsichtig!" Wir stellen euch Kinder vor, die regelmäßig mit Tieren zusammen sind. Dabei lernen sie, sich zu trauen. Und erfahren dabei, was sie schon alles können.

Bauernhof für Kinder

Als sich Tatchun, Bobbel und Lacota über das Futter hermachen, ist Lucas etwas mulmig zumute. Dabei hatte er sich so gefreut, den drei Alpakas eine Schale voller Leckereien zu bringen. Nun sind die drei Köpfe nur wenige Zentimeter entfernt. Jetzt wirken sie nicht mehr so niedlich und lustig wie aus größerer Entfernung. Gut, dass Lena bei ihm ist, bis sich Lucas sicherer fühlt. Mit ihrem Mann Simon betreibt die Landwirtin einen Bio-Bauernhof in der Nähe von Wiesbaden. Hier halten sie 100 Rinder und Kälber und bauen das Gras für die Tiere selbst an. Seit einigen Monaten gibt es auf dem Hof auch die „Farm For Kids". Hier können Kinder der „Terminal for Kids" Alpakas, Zwergesel, Zwergziegen, Stallhasen, Zwerghühner und einen Hahn erleben und betreuen. Lena wählt die Tiere sorgfältig aus: „Ich habe mich ausführlich erkundigt, ob sie einen ruhigen, ausgeglichenen Charakter haben."

Ein großer Stall, kleinere Gehege, ein Bauwagen und ein gemütlicher Platz mit Baumstämmen zum gemeinsamen Frühstücken und zum Klettern: Die „Farm For Kids" ist auf 10.000 Quadratmetern untergebracht, das ist so groß wie eineinhalb Fußballfelder. Einmal im Monat besucht jede Gruppe der Kitas und Kinderkrippen von „Terminal for Kids" den Bauernhof. Lena achtet auch auf ihre tierischen Schützlinge: „Jeder Besuch ist für die Tiere eine schöne Abwechslung, aber anstrengend. Deshalb kommen pro Tag nicht mehr als zwei Kindergruppen."

Erna untersucht, was auf dem Baumstamm so interessant riecht. Erna? Alle Tiere tragen Namen, weil jedes eine Persönlichkeit ist und sich von jedem anderen Tier unterscheidet. Lukas und Johanna beobachten genau, was Erna tut. Johanna streicht sanft über das Rückenfell der Zwergziege. Ein Streichelzoo ist die „Farm For Kids" trotzdem nicht. „Es ist uns wichtig, dass die Tiere nicht aus der Hand gefüttert werden. Schließlich sind es keine Haustiere", sagt Bio-Bäuerin Lena. Sie erklärt jedem Kind die Regeln: „Bei den Tieren wird nicht geschrien und nicht gerannt. Sie werden auch nicht gejagt. Niemand darf sich von hinten an ein Tier heranschleichen und es am Po streicheln. Dabei erschrecken sich die Tiere und könnten euch verletzen."

Fotos: Gerhard Bayer
September 2018